Vitamine im Kreuzfeuer

Wirken natürliche Vitamine besser als synthetisch hergestellte? Bevor man auf diese Frage eingeht, sollte man einmal näher betrachten, worin der Unterschied zwischen natürlichen und synthetischen Vitaminen besteht.

Vitamine im Kreuzfeuer

Vitamine im Kreuzfeuer

Natürliche Vitamine sind in fast allen Nahrungsmitteln enthalten. Sie sind in die natürliche Struktur des Nahrungsmittels eingebunden, was sie unempfindlicher gegen Zerstörung durch Hitze, Kälte oder andere destabilisierende Faktoren macht. Diese schützende Struktur besteht z.B. bei Obst und Gemüse aus sogenannten Flavonoiden. Gelangen Nahrungsbestandteile in den Darm, reguliert der Organismus, durch ein ausgeklügeltes System mit Hilfe von Enzymen und anderen Hilfsstoffen, das gezielte Ausbrechen aus der schützenden Struktur und die kontrollierte Aufnahme von tatsächlich benötigten Vitaminen (und anderen Nährstoffen).

Körper holt sich, was er braucht
Bei einem Überangebot winkt der Organismus, nachdem sein Bedarf gedeckt ist, ab. Überflüssige Vitamine werden innerhalb ihrer schützenden Struktur zum größten Teil ausgeschieden. Natürliche Vitamine, die aus Lebensmitteln gewonnen werden, enthalten Nährstoffe, die in synthetischen Präparaten nicht vorkommen. Die Dunaliella salina Alge ist nicht nur eine sehr effektive Form des Beta-Carotins, sondern enthält außerdem die “Krebs-Bekämpfer” Alpha Carotin, Cryptoxanthin, Zeaxanthin, Lutein und Lycopin.

Synthetisch gewonnenen Vitaminen fehlen die natürlichen Begleitstoffe. Aus diesem Grund ist es auch wenig relevant, ob sie aus einem natürlichen oder einem synthetischen Ausgangsstoff synthetisiert wurden. Fakt ist, dass sie dem Körper in einer hochaufgeschlossenen Form vorgelegt werden und somit der Ausbrechungsvorgang im Gegensatz zu den natürlich eingebundenen Vitaminen nicht mehr notwendig ist. Es kommt zu einer Umgehung der normalen Resorptionskontrolle im Darm, da diese Vitamine quasi zwangsresorbiert werden.

Gefahr der Anreicherung
So gelangt eine nicht angeforderte Menge an Vitaminen ins Blut, was sich schnell zu belastenden Hypervitaminosen ausweiten kann. Einmal im Blut angelangt, muss sich der Körper über den Stoffwechselweg (insbesondere Leber, Nieren) dieses Überangebots entledigen. Der Stoffwechsel wird nur in einem begrenzten Umfang auf diese Überversorgungen eingestellt. Daher kann es schnell zu Überlastungen und Anreicherungen an nicht dafür vorgesehenen Stellen im Organismus kommen. Andererseits führt dies zu nachhaltigen Irritationen des Immunsystems, weil die komplexen hormonellen und immunrelevanten Verdauungsvorgänge gestört werden. Daher wird eine ursächliche Beteiligung von synthetischen Vitaminen an insbesondere immunologischen sowie tumorösen Erkrankungen als sicher angesehen.

Eine unkontrollierte Vitaminzufuhr ist nicht zielführend, zum Teil sogar schädlich. Es soll auch nicht prinzipiell jeder Mensch Multivitamine nehmen, sondern nur gezielt und unter fachlicher Beratung. Bei Vitamin C gibt es genug Studien, die eine Wirksamkeit gegen grippale Infekte belegen. Aber auch solche, die nichts ergaben, weil die Personengruppen aufgrund ihrer Ernährung genug Vitamin C aufnahm. Übermäßiger Vitaminkonsum ist ebenso negativ wie ein zu viel an Zucker, Fetten usw. Doch kann man die Vorteile der Vitamine nicht übersehen. Es is ein kontrollierter Umgang notwendig.

Vitamin-Zwangsversorgung
Über die Sinnhaftigkeit, Lebensmittel mit Vitaminen anzureichern (z.B. Folsäure zu Mehl) gibt es geteilte Meinungen. Folsäure ist ein wasserlösliches Vitamin, das für den menschlichen Organismus lebensnotwendig ist. Sie ist in Spinat, Salaten, Weißkohl, Tomaten, Orangen, Leber und auch Getreide sowie daraus hergestellten Vollkornprodukten enthalten. Folsäure spielt insbesondere vor und während der Schwangerschaft eine große Rolle: Eine Unterversorgung kann beim Embryo schwerwiegende Fehlbildungen auslösen.

Die Versorgung mit Folsäure ist etwa in Deutschland unzureichend: 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung nehmen weit weniger auf als empfohlen. Es wird deshalb diskutiert, wie die Folsäureversorgung der Bevölkerung insgesamt und die von Frauen im gebärfähigen Alter im Besonderen nachhaltig verbessert werden könnte. Eine Möglichkeit wäre die Anreicherung eines Grundnahrungsmittels wie beispielsweise Mehl. Diesem Denkansatz kann man entgegenhalten, dass damit auch nicht garantiert werden kann, dass die Zielgruppe Schwangere ausreichend mit Folsäure versorgt wäre. Hier ist es sicher besser, dieses Vitamin eben nur dieser Gruppe zu geben.

Zu viel ist nie gesund
Schlussendlich noch einmal die Frage: Sind natürliche Vitamine besser als künstliche? Unter kontrollierten Bedingungen wirken synthetische Vitamine genauso gut wie die natürlichen Vitamine. Aber wir leben nun mal in keiner perfekten und kontrollierbaren Welt.

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