Der Frust nach der Geburt

Immer wieder finden wir derartige Meldungen in den Zeitungen: Baby in der Mülltonne entdeckt, Kind verdurstet, Mutter tötete Baby. Postpartale Depression heißt in den meisten Fällen die Ursache für diese Kurzschlusshandlungen.

Der Frust nach der Geburt

Der Frust nach der Geburt

Vier von fünf Müttern erleben in den ersten Tagen nach der Geburt eine Phase der Stimmungslabilität. Erklärt wird dieses Phänomen durch die plötzliche Hormonumstellung nach der Geburt im Körper der Mutter. Meist geht diese Phase aber schnell vorüber. Die eigentliche postpartale Depression (PPD) entwickelt sich typischerweise zwischen dem dritten und sechsten Monat nach der Geburt. Auch wenn sie spätestens nach einem Jahr meist von selbst verschwindet, brauchen die betroffenen Frauen und Kinder unbedingt Hilfe – GynäkologInnen, Hebammen, KinderärztInnen und Familie müssen bei diesem Problem auf der Hut sein.

Verhaltensauffälligkeiten der Kinder als Folge
Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität, Isoliertheit, Depressionen und Ängste bei Kindern können Ausdruck und Folge einer nicht behandelten PPD sein. Einer der wichtigsten Bausteine des Lebens und der normalen Entwicklung für Kinder ist eine funktionierende Interaktion zwischen Mutter und Kind. Starre Mimik, freudloser Umgang mit dem Säugling, monotones Spielverhalten, mechanisches Füttern und wenig verbale Zuwendung als mögliche Anzeichen der postpartalen Depression erzeugen beim Baby Frust. Manchmal kann aber auch eine Überstimulation des Kindes und das Nichtbeachten der wichtigen Ruhephasen ein Hinweis auf eine depressive Erkrankung der Mutter sein.

Der Säugling ist auch auf eine liebevolle Betreuung angewiesen, um sich normal entwickeln zu können. Beim Kind erhöht die fehlende Beziehung den Kortisolspiegel und kann damit Auswirkungen auf die Entwicklung von Intelligenz und Verhalten haben. Studien haben gezeigt, dass Buben dabei empfindlicher reagieren als Mädchen.

Bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung der PPD können vor allem die schweren Formen, die immer wieder mit Selbstmordgefahr einher gehen, meist verhindert werden. Der Großteil der betroffenen Mütter kann ambulant versorgt werden. Nur selten sind besondere Schutzmaßnahmen für Mutter oder Kind notwendig.

Schreiambulanzen bieten Hilfe
„Wir sind völlig erschöpft, wir halten das dauernde Geschrei nicht mehr aus!“ Solche und ähnliche Äußerungen sind nichts anderes als ein Hilfeschrei der Betroffenen. Eine wichtige Institution, die seit einigen Jahren jungen Müttern bei vielen sozialen Problemen wichtige Hilfestellung bietet, sind die Schreiambulanzen. Weil sich der Name dieser Einrichtungen nur auf das Problem Kind bezieht, fällt es vielen Frauen leichter, hier Hilfe zu suchen: etwa in der Schreiambulanz des Wiener Wilhelminenspitals oder in ähnlichen Einrichtungen auf den Kinderabteilungen der Landeskrankenhäuser Graz und Salzburg.

Bei den Gesprächen und der Therapie werden auch die Väter einbezogen. Mittels Videodiagnostik können Fütterungs-, Spiel - und Wickelsituationen mit den Eltern analysiert und das Verhalten entsprechend geändert werden. Die Videos machen besonders deutlich, wie Emotionslosigkeit und Starrheit einer depressiven Mutter einen Säugling in seiner Entwicklung hemmen können, während Säuglinge auf emotionale Kontaktaufnahme mit freudiger und lebendiger Gestik reagieren.

Auf jeden Fall Arzt/Ärztin beiziehen
Die werdende Mutter sollte sich schon vor der Geburt über mögliche Hilfsangebote informieren. Bei der Therapie – nie ohne ärztliche Begleitung! – muss besonders beachtet werden, dass das Kind durch eine Medikation der stillenden Mutter beeinträchtigt werden kann.

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