Sonntag, 24. September 2017

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Bewegung ohne Sorge - Vergnügen ohne Exzess

Bewegung ohne Sorge

Bewegung ohne Sorge

Madame Calment feierte kürzlich ihren 121. Geburtstag, und sie antwortete auf die Hintergründe ihres langen Lebens lächelnd: „Ich verhalte mich ruhig.“ 1875 kam sie in Südfrankreich zur Welt und wenn man ihre Hand schüttelte, konnte man spüren, wie fest und kräftig diese Hand noch war. Zeit ihres Lebens war sie eine Genießerin gewesen, Zigaretten, Alkohol und Schokolade hatte sie immer geschätzt.

Gerne erzählt sie, wie sie eines Tages einem jungen Maler namens Vincent van Gogh Farben verkaufte. Sie bemerkte „wie hässlich und bösartig er gewesen sei und er habe nach Schnaps gerochen“. Ihr Arzt bescheinigt ihr ein hervorragendes Immunsystem und erstaunlicherweise war sie nicht einen Tag ihres Lebens krank. Durch Beobachtungen an Menschen, die mehr als 100 Jahre alt wurden, schloss man, dass sie sich Tag für Tag ein Leben lang Bewegung verschafften, die ihnen nicht als  sportliche Übung vorkam. Es war ein Teil ihres Tagesablaufes: zu Fuß gehen, Rad fahren, im Garten arbeiten, Stiegen steigen etc. Ihr Körper wurde fit ohne Anstrengung und ohne die Gemütsruhe zu verlieren. Sportliche Betätigungen machten sie aus Freude über die Bewegung, niemals aber wegen Höchstleistungen oder um mit letzter Kraft etwas für die Stärkung der Muskeln zu tun. Die Umgebung war ihnen vertraut, sie aßen was ihnen schmeckte und nicht was gesund sein sollte. Sie lebten mit Humor und bewahrten sich vor Stress. Sie waren keine Schlemmer, aber auch keine Kostverächter. Sie vermieden Ärger und Enttäuschung und die ängstlichen Befürchtungen, die sich aus einem bewegten Lebensstil ergeben, ohne Sehnsucht nach der Vergangenheit oder Angst vor der Zukunft.

Das Maß ist das Ziel.
Jede sportliche Betätigung, die man nicht aus Vergnügen betreibt, fördert Stress. Ein quälendes Trainingsprogramm zum Erreichen eines Trainingsziels wirkt dem reibungslosen Funktionieren des Immunsystems entgegen. Sportler und Fitnessfanatiker erfreuen sich keines besonders langen Lebens, ebenso wenig wie übergewichtige Stubenhocker. Unser Körper ist für Untätigkeit nicht geboren. Jede Spezies braucht für ihr Überleben ein gewisses Maß an körperlicher Ertüchtigung. Daraus wurde geschlossen, dass To-Do-Listen, Trainingsprogramme, Fitnessfanatismus und damit zusammenhängender Stress lebensverkürzende Faktoren sind. Es wäre sogar besser, sich auf die Heilung im Falle ein Krankheit zu konzentrieren, anstatt in Sorge davor die Vorbeugung zu übertreiben. Wir sind eben immer kurz davor zu leben. Sollten daher alle Gesundheitstipps und Fitnessprogramme ignoriert werden? So einfach ist das Leben vor allem in städtischer Umgebung nicht, um das so zu beantworten. In der heutigen Zeit ist seelischer Stress und körperlicher Stillstand aufgezwungen und führt daher zur Kompensation. Unbeschwerter Lebenswandel und Seelenfrieden sind schwer zu erreichen. Lifestyle-Drogen wie Antiaging, Potenzpillen, Beruhigungsmittel oder Aufputschmittel sind Heilmittel, die uns vor schlimmeren Leiden bewahren. Ein Schlafmittel etwa heilt nicht nur die Schlaflosigkeit, sondern schützt uns vor den Folgen eines Schlafmangels. Den meisten von uns würde ein Leben wie es Madame Calment geführt hat, zu eintönig vorkommen. Wir lieben den Wirrwarr der Stadt und bezahlen das mit einem Übermaß an Stress. Als Menschen wollen wir auch Risiko nehmen. Jene, die sich ruhig verhalten, tragen nichts zur Fortentwicklung bei. Unruhe und Abenteuer, Einsatz und Wagnis führen zu Stress und zu manchem Erfolg; Unzufriedenheit und Missgunst, Ängste und Sorgen zu ebensolchem Stress ohne Erfolg, auch das schwächt mit Sicherheit das Immunsystem. “Die Leichtigkeit des Seins” zu verstehen ist die eine Sache, sie zu leben eine andere. Madame Calment ist in aller Ruhe 121 Jahre alt geworden, während der vom Leben gequälte van Gogh mit 37 starb. Aber er war es, der die Meisterwerke schuf, die heute jeder kennt, während sie ihm nur die Farben dazu verkaufte.

Aus einem Essay von Desmond Niemann

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