Ei, Ei – du böses Cholesterin

Allmählich weiß es jedes Kind: das Ei kommt als Nahrungsmittel nicht gut weg. Aber stimmt das Alles so, wie wir es immer und immer wieder gehört haben?

Cholesterin

Cholesterin

Cholesterin wird als eine der Hauptursachen bei Arteriosklerose genannt. Kein Wunder: befindet sich doch in den Plaqueanlagerungen der Gefäße jede Menge davon. Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts haben die koronaren Herzerkrankungen (KHK) die bis dahin führenden Infektionskrankheiten als Todesursache Nr. 1 abgelöst. Einerseits logisch aufgrund steigender Hygiene und der Entwicklung effizienter Antibiotika, andererseits die Folge ungesunder Ernährung und des sich ändernden Lebensstils. Die Risikofaktoren für KHK sind (in dieser Reihenfolge) Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen und (sehr) hohe Blutfette.

Unser Organismus ist auf Cholesterin aus der Nahrung nicht angewiesen. Er synthetisiert selbst mehr (1 bis 3 g pro Tag) als wir aufnehmen (0,3 bis 0,5 g pro Tag). Cholesterin ist die Muttersubstanz der Sexualhormone Östrogen & Testosteron, des Schwangerschaftshormons Progesteron, des „Wunderheilers“ Cortison, des Dursthormons Aldosteron, der Gallensäuren und des Vitamin D. Die größte Cholesterinmenge sitzt im Gehirn (30 %).

Die Gedächtnisleistung ist vom Cholesterin abhängig. Muttermilch hat doppelt so viel Cholesterin wie Kuhmilch, eine Erklärung des durchschnittlich höheren IQ bei gestillten Kindern. Studien zeigen, dass Maßnahmen zur Reduktion des Cholesterins – durch Lebensweise oder Medikamente – auch zur Abnahme der Gedächtnisleitung führen, die nur zur Hälfte wieder reversibel ist. Ein Zusammenhang mit erhöhter Aggressivität wird vermutet und schließlich gibt es Hinweise, dass niedere Cholesterinwerte Depressionen verstärken bzw. auslösen.

Kritiker der Cholesterin-Theorie belegen aus falsch interpretierten Studien bei niedrigen Cholesterinwerten ein höheres Risiko insbesondere für Krebserkrankungen. Vielleicht liegt die Wissenschaft, wie seinerzeit bei der Spinattortour auch diesmal falsch. Jene Kritiker meinen sogar, dass die (pharmazeutische) Wirtschaft die Studien bewusst falsch interpretiert. Es gäbe genug Beweise, dass falsche Fette und cholesterinreiche Nahrung wenig Einfluss auf die Anzahl der Schlaganfälle hätten.

Unbestritten ist jedoch, dass Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen und Bluthochdruck primäre Risiken für ein verkürztes Leben darstellen. Ob jedoch jede Medikation zur Senkung der Blutfette notwendig ist, bleibt zu hinterfragen und kann derzeit kaum mit 100-%iger Sicherheit beurteilt werden. Jedenfalls sollten Sie kein schlechtes Gewissen beim Verzehr einer vernünftigen Anzahl von Ostereiern haben.

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