Richtig Blutdruckmessen

Selbst durchgeführte Blutdruckmessungen liefern unzuverlässige Ergebnisse, lautet ein oft gehörter Einwand. Experten sind aber der Meinung:
Besser oftmals zu Hause messen als gelegentlich in der Arztpraxis.

Univ.Prof.Dr. Gerhart Hitzenberger und Univ.Prof.Dr. Dieter Magometschnigg vom Institut für Hypertoniker haben eigene Untersuchungen vorgenommen und diesen Einwand entkräftet. Fazit: Oft wiederholte Selbstmessungen sind besser als gelegentliche Blutdruckmessungen in der Arztpraxis.

Univ.Prof.Dr. Gerhart Hitzenberger und Univ.Prof.Dr. Dieter Magometschnigg vom Institut für Hypertoniker haben eigene Untersuchungen vorgenommen und diesen Einwand entkräftet. Fazit: Oft wiederholte Selbstmessungen sind besser als gelegentliche Blutdruckmessungen in der Arztpraxis.

Geringe Differenzen
Es wurden Messungen bei mehr als 450 Patienten vorgenommen. Einerseits mit einem Ordinationsstandardgerät und andererseits mit den verschiedensten Typen mitgebrachter Selbstmessgeräte. Dabei wurden jeweils an einem Oberarm das Selbstmessgerät und am anderen Arm das Ordinationsgerät angelegt und anschließend die Arme gewechselt. Die Differenz zwischen den Messungen schwankte bei beiden Geräteanwendungen annähernd gleich. Das brachte die Wissenschafter zur Erkenntnis, dass oftmals gemessene Unterschiede von Blutdruckwerten nicht auf die verschiedenen Messgeräte oder Messarten zurück zu führen sind. Vielmehr sind die Differenzen (manchmal sogar über 50 mm Hg), durch die Variabilität des Blutdruckes selbst begründet.

Blut nicht für alle Organe gleichzeitig
Der Blutdruck ist eine stark schwankende Größe. Unser Körper braucht Blut in allen Organen und Geweben. Hätten wir so viel Blut an Bord, dass alle Organe gleichzeitig die im Notfall benötigte Blutmenge zur Verfügung haben, würden wir platzen. Der Blutdruck steuert den jeweiligen Bedarf an Blut für das jeweilige Organ. Bei körperlicher Betätigung wird es zu den Muskeln gepumpt, zum Verdauen nach Mahlzeiten braucht das Verdauungssystem den Saft und nach Schrecksekunden oder großer Konzentrationsbereitschaft wird das Gehirn optimal versorgt. Vielleicht erinnern Sie sich noch, dass man nach Mahlzeiten nicht schwimmen sollte. Es ist wohl schon vorgekommen, dass eben im Verdauungszustand und körperlicher Betätigung das Gehirn zuwenig mit Blut versorgt wurde. Dann tritt Schwindel oder gar Ohnmacht auf. Im tiefen Wasser ein fataler Zustand.

Blutdruck ist schwankend
Unser Blutdruck schwankt daher in einem beträchtlichen Ausmaß. In einem Tagesdiagramm mit zahlreichen Messungen (siehe Abbildung) können Sie die normalen Schwankungen erkennen. Dabei kann schon innerhalb weniger Minuten der Blutdruck von 120 auf 165 mm Hg steigen. Den Blutdruck sollte man daher immer im Ruhezustand, nach 1 bis 5 Minuten sitzender Pause messen. Wieder ein Argument, dies besser zu Hause zu tun.

Viele Messungen
Bevor also die Diagnose eines hohen Blutdrucks (Hypertonie) zur Tatsache erklärt wird, sollten zahlreiche Messungen dies bestätigen. In begründeten Fällen ordnet Ihr Arzt eine 24-Stunden-Beobachtung an. Dabei wird ein Messgerät an Ihren Körper gebunden, das in 20 Minuten-Abständen Ihren Blutdruck misst. Als Maß für eine Hypertonie gilt, dass bei 30 Messungen mehr als 7 Werte die Grenze von 130/85 mm Hg übersteigen. Das sollte auch für Sie zu Hause ein Richtwert sein.

Expertenmeinungen
Univ.Prof. Dr. Gerhart Hitzenberger und Univ.Prof. Dr. Dieter Magometschnigg: "Die Patienten messen (nach entsprechender Einweisung) mit ihren Selbstmessgeräten richtig! Unterschiede verschiedener Messungen sind nicht Folge einer falschen Messung oder eines unzuverlässigen Blutdruckmessgerätes, sondern eine Konsequenz der Blutdruckvariabilität. Wegen dieser Variabilität sind viele Messungen notwendig, die vom Arzt gar nicht durchgeführt werden können. Gelegentliche Blutdruckmesswerte, erhoben in Arztpraxen, sind daher weit unzuverlässiger und sollten aufgegeben werden."

So sollten Sie den Blutdruck messen

  • immer zur gleichen Tageszeit messen.
  • kein Nikotin und keinen Kaffee bis zu einer Stunde vor der Messung.
  • in entspannter Haltung nach 2 bis 3 Minuten Ruhe im Sitzen messen.
  • nicht unter starkem Harndrang messen.
  • vor dem Messen die Bedienungsanleitung des Gerätes lesen.
  • regelmäßige Kontrolle, ob die Batterie in Ordnung ist.
  • Manschette während der Messung auf Herzhöhe halten.
  • während der Messung nicht bewegen und nicht sprechen.
  • zwischen 2 Messungen mindestens eine Minute vergehen lassen.
  • regelmäßig messen, am Besten 2x täglich.

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